Frau Höpker bittet zum Gesang (03.04.2019)

Konzert mal anders. Mitsingen war diesen Mittwoch die Devise bei Frau Höpker, die "Frau Höpker bittet zum Gesang" bereits seit 2008 an diversen Standorten veranstaltet. Wir haben uns relativ spontan zu der neuesten Ausgabe nach Ehrenfeld begeben.

Nicht der gute Volker (es klang zumindest oft so) bittet zum Gesang, sondern Frau Höpker. Wer das ist und was sie so macht wussten wir beide nicht. Aber da uns ein Freund gefragt hat, ob wir nicht mit zu einem Mitsing-Konzert möchten, mussten wir nicht lange überlegen. Eintritt bezahlen, damit man auch noch selbst singen muss also. Klingt verrückt. Aber es wird langsam ein Muster erkennbar. Sachen auszuprobieren, bei denen wir nicht wissen, was überhaupt auf uns zu kommt, scheint so ein wenig unser Ding zu sein.

Wie schon beim Geheimkonzert vorige Woche, geht es für uns auch diesen Mittwoch bereits um 18:30 Uhr los. Einlass ist zwar schon etwas früher, aber da die Veranstaltung ohnehin erst um 19:30 Uhr startet, sollte das doch dicke langen. Pünktlich Feierabend heißt um kurz nach 17 Uhr zu Hause sein und schnell etwas essen, zumal die eingeplante Bahn sich bereits um 18 Uhr in Bewegung setzt.

Zwei Stationen später sind wir (mal wieder) in Ehrenfeld. Unweit der Örtlichkeit vom letzten Freitag geht es zunächst zum Bezirksrathaus, wo wir viel zu früh ankommen und die nächsten 20 Minuten bis zum vereinbarten Treffzeitpunkt totschlagen müssen. Es ist kalt. Danke Merkel....oder vielmehr Danke April. Als kurze Aufwärmübung renne ich spontan drei Runden um einen Baum, komme mir aber als andere Leute den Platz betreten dabei etwas dämlich vor - keine Ahnung warum.


Weder wärmt es mich auf, noch sind wir der erwarteten Uhrzeit bedeutend näher gekommen. Stattdessen machen mir die 20 Sekunden bewusst, wie untrainiert ich doch bin. Noch leicht japsend fällt mir plötzlich zudem auf, dass der Brunnen vor dem Rathaus doch tatsächlich aus lauter Nasen besteht. Jepp - Nasen. Auch nach näherer Betrachtung wird mir der Sinn nicht ganz klar, da die Inschrift kaum noch zu entziffern ist. Die berühmte Frage, ob das nun Kunst ist oder doch eigentlich weg kann, rattert mir durch den Kopf. Inzwischen habe ich mich informiert, dass der "Läsche Nas"-Brunnen zu Ehren des Kölner Originals Andreas Leonhard Lersch (1840 - 1887, Mehr Infos zur "Läsche Nas" auf external linkKarneval.de) aufgestellt wurde. Wieder was dazu gelernt.

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By Horsch, Willy - HOWI - Own work, CC BY 3.0, Link


Irgendwann ist es dann endlich soweit und der Freund trifft pünktlich ein, woraufhin wir mit einer ehemaligen Arbeitskollegin von ihm nun endlich Richtung "Herbrand's" (inklusive external linkDeppenapostroph) aufbrechen können. Die letzten vielleicht 100m sind in Windeseile zurückgelegt und man reiht sich in die Schlange ein, um nach erfolgreicher Namenslistenbestätigung die Tickets zu lösen. Dafür gibt es einen grünen Zettel, auf dem die Bewirtung notiert wird. Bei den Preisen bekomme ich leicht Schnappatmung und muss mich erst einmal hinsetzen. Wenige Bänke hinten am Rand sind in dem doch schon gut gefüllten Saal noch frei. Besser als nichts. Ich bekomme von Stöff die Schultern massiert und ein Riesencocktail mit Schirmchen sowie die extra große Platte Nachos mit Käse rollen an. So geht es zumindest in meinem Kopf weiter, nicht jedoch in der Realität. Stattdessen verzichte ich zum Wohle des Geldbeutels heute auf Essen und Getränke, während sich Stöff zumindest ein alkoholfreies Weizen gönnt (bald ist die Fastenzeit überstanden - Tschakka!).

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Pünktlich betritt dann auch Frau Höpker die Bühne und erklärt das Prozedere. Sie wird anfangen zu spielen, dann wird mit Hilfe eines Beamers der Text auf die Leinwand geworfen und alle Mitsing-Gäste stimmen über drei Etappen mit je 40-50 Minuten (also ca. 2,5-3 Stunden mit insgesamt zwei Pausen) mehr oder weniger gekonnt mit ein. Sollte es zwischendurch einmal durch zu viel chaotisches Gequatsche zu laut werden, fängt sie uns mit einer Lasso-Handgeste wieder ein. Diese Bewegung durften wir dann auch mehrmals im Laufe des Abends bestaunen.

Schnell merken wir, dass der Beamer (oder Wahlweise der Rechner) nicht so gekonnt eingestellt ist und gelegentlich die Wörter am Ende der Zeile abgeschnitten werden. Sei's drum, singen geht trotzdem. Schön schief und falsch, aber das stört hier heute niemanden. Zunächst geht es mit einigen Melodien der etwas älteren Semester los (also NOCH älter als ich). Könnte bisher also auch perfekt zwischen die Bingo-Runde von Oma Edeltraud und den anschließenden Matlock-Abend passen. Zum Glück sind wir aber nicht (wie beim Tanz in den Mai 2018) bei DJ-KukiDent gelandet, sondern immer noch bei Frau Höpker. Auch für das jüngere Publikum ist also genug dabei. Das Repertoire reicht von Klassikern wie "Que Sera" (Doris Day), "Lemon Tree" (Fools Garden), "Mamma Mia" (ABBA) oder "Crying at the discoteque" (Alcazar) bis hin zu neueren Liedern wie "Perfect" (Ed Sheeran), "Applaus Applaus" (Sportfreunde Stiller) oder "Zieh die Schuh aus" (Roger Cicero). Natürlich dürfen auch einige Kölsche Klassiker nicht fehlen und so unterdrückt man bei "En unserem Veedel" (Bläck Fööss) das ein oder andere Tränchen. Egal ob beim Schunkeln (okay, drei mal hätte jetzt vielleicht nicht sein müssen) oder beim "jetzt seid ihr alle mal Gras", die Leute waren bester Stimmung und machten bei allem mit. Selbst als das Glas einer Dame vor uns zu Bruch geht und man anschließend in einer Pfütze aus irgendwas weiter tanzen muss, wir haben Spaß.

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So neigt sich der Abend dem Ende zu, wir alle haben trockene Kehlen und machen uns auf zum Bezahlen der Bewirtungskarte, was trotz der langen Schlange schneller als befürchtet geht. Das nächste Mal bittet Frau Höpker am 15. Mai wieder im "Herbrand's" (die mit dem Deppenapostroph) zum Gesang (external linkandere Termine gibt's natürlich auch). Ob wir wieder dabei sind, entscheiden wir spontan. Ein nächstes Mal gibt es aber bestimmt.


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